Sie saugen einem das Leben aus. Wurde jemand von euch schon mal an den Augen operiert? Ich hoffe es für euch nicht.
Nicht nur, dass es verdammt wehtut, nein, man sieht auch noch aus wie Frankenstein persönlich, mit von gelblichen Augentropfen verklebten Wimpern und einem roten, blutunterlaufenem Auge, das sich übrigens anfühlt, als ob man gerade einen harten Boxkampf hinter sich hatte.
Und wenn man das dann zum vierten Mal innerhalb von zwei jahren ertragen muss, und zusätzlich noch Komplikationen auftauchen, die mich zwingen, fünfeinhalb Tage in einem unbequemen Krankenhausbett auszuharren, könnte man glatt die Krise kriegen.
Und es kommt noch schlimmer (Ja, doch, das geht durchaus ^^): Ich darf zwar über das Wochenende heim, aber am Sonntagabend heißt es: Ade, Heimat, und hallo, miefiges, stinkendes, bescheuertes, Krankenhaus.
Was für ein Spaß!
Besonders mit einer Russin als Zimmernachbarin, die zwar 16 Jahre in Deutschland gelebt hat, aber kein Wort dieser Sprache spricht, mir mein Mittagessen klaut und schnarcht, dass die Wände wackeln ...
Mein Lebensinhalt besteht dort im Grunde genommen aus Schlafen, Musikhören, Schlafen, Zum Arzt gehen, mir anhören, dass die neueste Behandlung nicht anschlägt, essen, schlafen ... und doch gibt es unvergleichliche Highlights in diesem Leben: Platz 3 auf dieser Liste:
Die Enten im Park füttern
Platz 2:
Ein Telefonat mit einer Freundin
Platz 1:
Mir nach 4 Tagen endlich die Haare waschen zu dürfen (an meine Freundinnen: Es ist nicht so, dass eure Telefonate mit mir nicht den ersten Platz verdient hätten, aber lasst es mich so sagen; wascht euch mal vier Tage lang die Haare nicht, und ihr werdet mich verstehen)
Das Ganze klingt jetzt wahrscheinlich immernoch irgendwie lustig und amüsant (was zweifellos an meinem komödiantischem Talent liegt), aber eigentlich ist es nicht witzig.
Ich möchte zu Hause sein, mich mit meinen Geschwistern streiten, in die Schule gehen (ja, wirklich).
Aber in einem Krankenhaus ist man eingesperrt, vollkommen abhängig von Krankenschwestern und Ärzten, und was das Schlimmste ist, man verlernt zu leben. Man verlernt, die guten Seiten an den Dingen zu sehen, und ich habe Angst, diese Gabe zu verlieren.
Manchmal liege ich da, und frage mich dann, wofür ich überhaupt noch lebe. Und das richtige Leben scheint mir so weit weg, wie ein schöner Traum, den ich mal geträumt habe, vor langer, sehr langer Zeit.
Fünfeinhalb Tage klingen kurz, aber es sind 132 Stunden, 7.920 Minuten, 475.200 endlos lange Sekunden.
Manchmal aber wiederum ist da Hoffnung in mir. Wenn ich zum Beispiel davon träume, wieder in der Schule zu sein. Im Französischunterricht, wenn wir mal wieder Theater spielen müssen. Oder in Reli, wenn ich vor mich hindöse, und mir wünsche, wir hätten kein Sport. Oder wenn Jenny mir erzählt, dass die Leute schon nach mir fragen.
Denn auch wenn manchmal alles verblasst, die Erinnerung ist immer noch da, und auch wenn es manchmal scheint, dass ich schon Ewigkeiten weg bin, weiß ich, dass ich irgendwann doch wieder nach Hause komme - ob mit Auge oder nicht. :P